
Hier ist der Platz für Rezensionen von "Evig Pint"
aus der Presse. Wenn ihr noch weitere habt, bitte schickt sie an infoATsave-me-kaizer.de.
Wir freuen uns über jeden Tipp!
Aus dem musikexpress
Ein wilder Stilmix und das definitive Plädoyer für die etwas andere Großfamilie:
die Kaizers aus Norwegen
Einer der Gitarristen hat einen stieren Blick drauf, der ohne weiteres mit
Jack Nickolsons besten Fratzen konkurrieren kann. Der Musiker, der wahlweise
Harmonium, Keyboard oder Akkordeon bearbeitet, trägt bei der Arbeit schon
mal eine asymmetrisch frisierte Perücke, die er hin und wieder abnimmt
- um statt der künstlichen Haarpracht eine Gasmaske überzustülpen.
Bei Konzerten verpasst der Sänger Janove allen Bandmitgliedern den Nachnamen
"Kaizer". Keine Frage: Die Männer von Kaizers Orchestra - selbstverständlich
aus Bergen, Norwegen, woher sonst? - sind auf sehr sympathische Weise verhaltensauffällig,
aber keineswegs auf bloßen Schabernack aus. Das Loch, das sie allesamt
gut und gerne in der Mütze haben, wird mit Musik ausgefüllt, und
zwar mit solcher, die sich auf EVIG PINT zwischen Tango, Polka, Düster-Rock,
Walzer, Gypsy-Sound, besoffenen Klavieren, schwitzigem Blues und klassischem
Bierdunst bewegt.
Von wegen: Vor dem Tresen, hinterm Tresen - überall sind Lebewesen. Der
Sound, den das Kaizers Orchestra auf den Weg bringt, wird nicht nur mit dem
handelsüblichen Instrumentarium, sondern auch allerlei Gerätschaften
aus musikfremden Bereichen hergestellt. Pfannen, Töpfe, Autofelgen, ölfässer,
Baseballschläger - und allerlei anderes Gedöns, auf dem sich Krach
machen und Rhythmus erzeugen lässt. Dass die Texte dabei ausschließlich
auf norwegisch vorgetragen werden, ist nicht weiter wichtig - von Belang ist
vielmehr die Wucht und Dichte von Liedern wie "Hevnervals" und die
Emotionalität von Tränenziehern wie "Min Kvite Russer":
Dadurch erst wird die Beule, die dir Kaizers Orchestra ins Gefühlszentrum
gefahren hat, richtig ansehnlich. Tolle Band - und live nochmal drei Längen
besser als auf digitalem Tonträger.
(Martin Weber)
Aus der Frankfurter Rundschau
Tolle Trolle
Volltrunken in Bierpfützen stürzen, die nasse Jacke wegschmeißen, die schmierigen Haare
schütteln und weiter tanzen - das ist die Art von Party, die einen erwischt, wenn man mit Kaizers
Orchestra in den Ring steigt. Aus dem Nichts eroberte die norwegische Charaktertruppe mit ihrem Debütalbum
"Ompa til du dor" (sinngemäß: Abfeiern bis der Arzt kommt) Deutschlands Bühnen.
Jetzt hat das Quintett aus Bergen nachgelegt: Teufelsblues, Gruselfolk, Jazz, Tango, Klezmer, Schrammelrock
und immer wieder Polka werden auf dem neuen Album gemixt. Und zwar von groben Händen, die Saxophone,
Celli, Trompeten oder Orgeln malträtieren. Ein beschwingter Dreivierteltakt treibt viele Songs an.
Getrommelt wird dabei auf allem, was Krach macht, von Autofelgen bis zum ölfass. Die Kaizers klingen
in den besten Momenten wie eine Horde Trolle, die irgendwo die Parole "Her mit dem schönen Leben
gelesen" haben und sie nun zu Musik machen wollen. Auch wenn die Gruppe ihre unvergleichlichen
Livequalitäten auf der Platte nur andeuten kann, ist "Evig Pint" ein heftiger Tonträger,
zu dem man auch zu Hause tüchtig schwitzen, stampfen und trinken kann.
(Lars Reppesgaard)
Aus Visions
Less Polka, more Rock: Auf ihrem zweiten Album klingen die Norweger etwas konventioneller, spielen
aber immer noch in einer ganz eigenen Liga der Melancholie.
Calexico des Nordens - unzählige Male wurde dieser Begriff bemüht,
um ihr herrlich bescheuertes Debüt zwischen Rock, Polka, Tex Mex und
Nick Cave in Worte zu fassen. Schien ja auch zu passen. Jetzt aber nicht mehr:
"Evig Pint" ist zwar noch immer beherzt anders - und das nicht nur
aufgrund des seltsamen Gesangs in Landessprache - aber doch näher am
konventionellen Verständnis todtrauriger Rockmusik. Noch immer weint
das Akkordeon, kullern komische Klanggeräte wie Radfelgen oder Öltonnen
aus den Boxen, noch immer ist eine Jahrmarkt-Stimmung vergangener Tage zugegen.
Und doch erinnert das Kaizers Orchestra mit diesem Album eher an eine nachdenkliche
Version von Firewater oder eine rockende Alternative zu Fink und Missouri.
Inhaltlich geht es um Elementares wie Tod, Religion, Vergebung, Rache, den
Teufel oder das jüngste Gericht, was schon der Titel verdeutlicht: Der
bedeutet nämlich nichts anderes als "ewige Verdammnis" - eine
klare Ansage. Und die Musik ist ein perfektes Spiegelbild dieses Wahnsinns:
Es poltert und rumpelt, seufzt und schmachtet, fleht und hofft, dass man sich
am liebsten mit einer Flasche Fusel zurück ziehen und seine gesamte Existenz
anzweifeln möchte. Trotzdem ist "Evig Pint" kein Musik gewordener
Trauerkloß (obwohl sie gar mit einem Requiem endet). Denn in all dem
Hadern ist viel Platz für spontan ausgedrückte Lebensfreude und
mehr Energie, als 20 Adam Greens jemals aufbrächten. Wunderbar gegensätzlich
- wie das Leben selbst.
(Sascha Krüger)
Aus dem Piranha Magazin
England, nei takk
Kaizer's Orchestra (wo nimmt der Herr Schreiberling jetzt den Apostroph her??
Anm. AEH)
Schon mal einen richtigen Superstar am Telefon gehabt? Einen, über den
Jung und Alt im ganzen Land Bescheid wissen? Solche Leute interviewen sich etwas
anders als andere. Sie übernehmen das Ruder und bestimmen selbst, wo's
langgeht. "Ich hoffe, die Fragen gehen über Musik", warnt Jan
Ove Ottesen gleich zu Anfang. "Fragen über unsere Klamotten kann ich
nicht ab."
Richtig gehört. Jan Ove Ottesen Superstar. "Wer?", fragt ihr
vielleicht und würdet dafür in Norwegen allenfalls mitleidiges Kopschütteln
ernten. "Wir haben 150.000 Alben verkauft. Wir werden nicht nur auf der
Straße erkannt. Jeder in Norwegen weiß, wer bei uns welches Instrument
spielt oder was wir anziehen." Nun gut, Local Heroes gibt es in jedem Land.
Das Erstaunliche am Erfolg von Kaizer's Orchestra (sic) ist aber, dass er mit
einer Musik kam, die ihresgleichen sucht. Eine Musik, der man nur unzulängliche
Namen geben kann: Zigeuner-Punk? Seemanns-Goth? Tom-Waits-Core? Oder sind Kaizer's
Orchestra (sic) die White Stripes der Polka?
Der Vergleich könnte hinhauen: So wie die White Stripes den Blues entstaubt
und elektrisiert haben, hat es das Quintett (sagt mal, könnt Ihr alle nicht
zählen oder was? Anm. AEH) aus Bergen (naja, fast! Anm. AEH) geschafft,
osteuropäischen Folk mit Power, Coolness, Style und Jugend zu einem neuen
Rockerlebnis aufzukratzen. Und wer nach dieser holprigen Unschreibung des Phänomens
Kaizer's Orchestra (sic) immer noch zweifelt, der möge bitte auf ihre Konzerte
gehen: Die arten zum rumpelnden und polternden Performance-Feuerwerk in Anzügen
und Gasmasken inkulsive Percussionsolos auf Ölfässern aus.
"Wir waren mal eine ganz normale Band, die versucht hat, Songs auf akustischen
Gitarren zu spielen. Aber irgendwie war's das nicht. Und dann schrieben wir
diesen einen Song, der anders war als alle vorher ("Bastard", Anm.
AEH). Der brauchte noch irgendwas Hartes, Schlagendes, das wir mit normalen
Trommeln oder Congas nicht erreichen konnten - also kam die Idee mit den Ölfässern
auf. Die haben einfach den fiesesten Sound überhaupt. Dann merkten wir,
dass wir alle diesen neuen Song viel lieber mochten als alles, was wir vorher
gemacht hatten, und beschlossen, diesen Weg weiter zu gehen." Die neue
Richtung sollte sich auszahlen. Die irren Konzerte des Orchesters sprachen sich
herum, ein winziges Indielabel griff zu und verkaufte schließlich mit
den Kaizers (Aaaaah! Geht doch! Anm. AEH) mehr Alben, als dies je zuvor einer
norwegisch singenden Band gelungen war.
"Vor und hieß es in Norwegen immer nur: Alles ist schon mal dagewesen,
man kann mit norwegischer Musik nichts Neues mehr machen und niemand wird jemals
mehr so erfolgreich sein wie die vier, fünf großen Stars, die es
in den 80s bei uns gab. Und niemand konnte sich vorstellen, dass man mit so
einer abseitigen, speziellen Musik mehr als nur ein Randpublikum ansprechen
könnte. Na, denen haben wir wohl allen das Gegenteil bewiesen."
Inzwischen erfasst die Welle der Begeisterung auch das restliche Europa. Es
begann letzten Sommer mit der verspäteten Veröffentlichung des Debütalbums
"Ompa til du dör" und wiederholten, enthusiastisch aufgenommenen
Tourneen. Schlag auf Schlag folgt bereits Album Nummer zwei "Evig Pint".
Die norwegische Sprache stellt dabei überhaupt kein Problem dar: "Hey,
man spricht doch nur in einem einzigen europäischen Land Englisch - in
England selbst. In allen anderen Ländern sind die Leute daran gewöhnt,
fremdsprachige Musik zu hören. Auch in Holland, Italien oder Deutschland
singt das Publikum bei unseren Texten mit. Und wenn die Engländer und die
Amis nur ihre eigene Sprache hören wollen, fahren wir da eben nicht hin,
so einfach ist das."
(Henning Furbach)
From: NRC Handelsblad
There seems to be an eternal party going on in Kaizers Orchestra's pot-and-kettle-music,
but album titles who let themselves be translated as 'Humpa till you die' and
'Forever in pain' make you suspect a more horrible state of mind. This ambiguity
is also heard in the music, as if joy and mouning, party and pain seamlessly
alternate with each other or even show up at the same moment. On "Evig
Pint", the second album of this Norwegian band, there's more dancing on
the vulcano. Of course, anybody who makes use of harmoniums, oil barrels and
a certain Eastersn Euopean melancholy will be compared with Tom Waits until
the end of time, but Kaizers Orchestra bypasses that parallel nicely by using
a more energetic approach, as if those barrels need to be beaten to scrap metal
duing their recording sessions. Sometimes a tender string orchestration creates
a more intimate atmosphere. It's a pity that the progress compared to first
album "Ompa Til Du Dør" seems minimal, but on the whole, Kaizers
Orchestra gives a fine example of European pop without loss of identity.
(Translation from Dutch to English by Carline Tromp from Hilversum)
AUTOR: Doris Achelwilm | Erschienen: 05.04.2004 | Label: Farmen | Vertrieb: PIAS
:»Keine
Subtilität« könnte die Losung gewesen sein, als sie vor wenigen Jahren
vom norwegischen Bergen aus loszogen, um die erfolgreichsten
Live-Berserker des Landes zu werden. Ihr Mittel zum Zweck war das, was
fortan »Speed Polka« heißen sollte und sich wie ein karnevalesker
Gegenentwurf zum »Quiet is the new loud«-Movement ausnahm. Gelegentlich
wurde ihr konzertierter Krawall aus rustikalen Stoffen wie eben
Polkapunk, Tom-Waits-Dünkel und Kusturica-sound-a-like auch in die
Schublade des mulmigen Genres »Weltmusik« gesteckt. Und verkauft hat er
sich, als handele es sich mit dem Kaizers Orchestra um eine
Zwillingsband von A-ha. Zumindest in Norwegen, wo sowohl das Debüt
»Ompa Til Du Dør« (2001) als auch der im letzten Jahr veröffentlichte
Nachfolger »Evig Pint« mit Platin und güldnen Preisen bedacht wurden.
Glückwunsch. Chapeau. Und ja, meinetwegen sollen die sechs mit Anzug
und Gasmaske aufspielenden Kaizermusikanten ruhig mehr davon bekommen.
»Evig Pint« (was dem ins Englische übersetzenden Beipackzettel gemäß
eine »ewige Tortur« bedeutet) gefällt sich als Burleske, die ich nicht
täglich hören muss, das nicht. Aber (und hier lauert ihre Kunst): Sie
ist gut gekühlt, also weniger geschwätzig, klump und penetrant, als es
Menschen mit Clown- oder Pogues- oder Funfolk-Phobie aus der Ferne
erscheinen mag. Der von Kaizers Orchestra visuell wie auch textlich
inszenierte Hang zum morbiden Symbolismus lässt bei puristischer Laune
zwar fragen, ob er nicht die Pointe zuviel ist, andererseits kommt man
nicht daran vorbei, der Band ihre Stilmittel kopfnickend abzunehmen.
Und so hört man sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge durch
die Platte. Umgarnt von stolz malträtierten Instrumenten namens
Pumporgel, Ölfass, Mandoline, Autofelge, Standbass und – by the way –
Gitarre freundet man sich mit der groben Eleganz des recht tanzbar nach
vorne schiebenden Eingangsstücks »Di Grind« (»The Gate«) an, fünf
Minuten später klingt ein ähnlich verschleppter Rhythmus plötzlich
strapaziös usw.
Am besten, man hält es mit »Evig Pint« wie mit allem, was hochprozentig ist und brennt: Dosieren, vorsichtig dosieren.
From: 3voor12.vpro.nl
Kaizers Orchestra's debut album Ompa "Til Du Dør" smelled like
party all the way. That's easy to reach if you play upstirring humpa with a
high sing-along-factor. But because the band creates powerful songs - on which
Tom Waits would undoubtedly give his approval - you cannot just dismiss it as
party music. They sing in their own language, but want to reach everybody. "Til
Du Dør" was already a big succes in their home country, and some
time ago successor Evig Pint was embraced there too. Now it's time to slowly
conquer Europe, by playing a lot of concerts and by releasing this second album.
On "Evig Pint", Kaizers Orchestra has become more sober, and the pace
has slowed down. "Di Grind" strikes that note immediately with its
tuneful piano intro. The band does not only want to strike a laugh, but also
a tear. However, Kaizers Orchestra stays Kaizers Orchestra, for the powerful
wind-instruments, the twist in the voice of singer Janove Ottesen and of course
the pump organ are immediately recognizable. That organ gets the marching rhythm
of "Djevelens Orkester" and "Container" going, which proves
that along with the more serious tone of the album, the upstirring character
of Ompa Til Du Dor hasn't vanished. The more sensitive side of the Kaizer is
well-matched to the old festivity. The band keeps its credibility , and even
has the guts to close down the album with the 8-minute long finale "Drøm
Hardt (Requiem Part 1)".
Kaizers Orchestra is most of all a live-experience. Who has been to one of their
concerts is never again able to listen to their albums in the same way. While
there's no band member to be seen, the scene already looks promising. Two oil
barrels are standing up front, and the pump organ features a small table-lamp
and a portrait. When the Kaizers hit the stage, a siren goes off and (most of
the time) you hear the first notes of "Kontroll pa Kontinentet". Singer
Janover Ottesen jumps on stage, climbs on his heightened microphone standard
and starts to heat up the crowd in a Hives-like way. "Do you love us? Do
you love the Kaizer?" - it sounds so simple. But when he calls it out to
you, with childlike enthusiasm, you suddenly feel like shouting back "yeaaaahhh"
as hard as you can. Soon it becomes clear why those oil barrels are present:
they are often beat on with iron bars, in the rhythm of the songs. Sparks fly
off the stage, literally. The most remarkable songs then appear to be those
of "Til Du Dør", because after only ten seconds you can sing
along with parts of "Bak et Halleluja" and "Bøn Fra Helvete",
despite the unknown language. Along with that, you see hands fly through the
air regularly.
At the concerts the songs of Evig Pint are once again a resting-point. Then
you notice the strong melody in the outstanding "Salt & Pepper",
and you hear "Veterans Klage" be played as staccato as on the record.
"Container" features, Ompa-style, the shouting of "one, two,
three" in Norwegian, and in "Hevnervals" it's time for the polonaise
again. Nonetheless, Kaizers Orchestra has definately grown up, as you might
call it, on Evig Pint. Probably that's because they don't want to be dismissed
as a jumping, partying humpaband alone. It's a daring, but also a quite succesful
move. This album doesn't feature a big number of 'live smash hits', like "Til
Du Dør" did, but it marks the growth of the Norwegians. The Kaizers
widen their own musical spectrum, and show us they can go on for years. We love
the Kaizer! We do.
(Translation from Dutch to English by Carline Tromp from Hilversum)
Rezension auf Evolver.at
Wodka, Weib und Weltuntergang
Die Kapelle in Diensten des fiktiven Mafiapaten Mr. Kaizer versucht Ölfässer als Instrument zu
deklarieren und geleitet im Polkatakt zum Jüngsten Gericht.
2003 brachten die Zigeunerrocker von Kaizers Orchestra ihr Debütalbum "Ompa Til Du Dør" mit zweijähriger
Verspätung auch in hiesige Plattenregale. Jetzt reichen sie mit "Evig Pint" den zweiten Tonträger nach.
Passend zur revitalisierten Russendiskowelle unterwirft die sechsköpfige Band aus Norwegen ihre
Anhängerschaft mit Liedern, die große Gesten einfordern ("Di Grind", "Salt & Pepper").
Die Musiker rund um das Songwriter-Paar Janove Ottesen und Geir Zahl nähern sich osteuropäischen Klängen
mit dem typisch norwegischen Verständnis für Stilfreiheit, wie es beispielsweise auch Wunderkammer oder
Cloroform an den Tag legen. Dabei bilden sie die Ausnahme von der Regel, die Englisch als ohrgefällige
Sangessprache aufzwingt, um international bemerkt zu werden. Die Kaizer mutterspracheln munter weiter.
Sie transportieren den Inhalt des dialektgefärbten Textes zwischen den Zeilen und injizieren dem Hörer
die Gewißheit, daß es von nun an nur mehr bergab gehen kann. Wenn dann Janove im Refrain des Titel-Tracks
frustriert mit den Worten "Eg er evig pint/Gud lar meg bli evig pint" daherkommt, braucht es keine
Übersetzungskünste, um dies als Anklage zu verstehen.
Die Geschichten von verpfuschten Lebensläufen spielen wie schon auf "Ompa Til Du Dør" im Kreise
lichtscheuer Gestalten und Kriegsversehrter; der Unterschied liegt allein im Verzicht auf ein festes
Personeninventar. Die Schar engster Vertrauter (Marcelo, Constanze, Viktoria) des Paten findet keine
wiederholte namentliche Erwähnung mehr, was dem Songwriting hörbar gut tut. Die Rücksichtnahme auf eine
Kombinierbarkeit der Stücke weicht dem lose gesetzten Rahmen einer gefinkelten Abstimmung von Ton, Text
und Aussage.
Fazit: ein Album zum Tanzen, Schreien und Sich-Bekreuzigen von einer Gruppe, die auszog, um sich den
Ruf der besten Liveband zu verdienen. Die Vergebung ihrer Sünden dürfen der Erlösung Harrende am 19. 4.
in der Szene Wien erflehen. Save me, Kaizer!
(Bernadette Karner)
Rezension im Intro Magazin
Kaizers Orchestra - Evig Pint
Der Bärbeißer lebt weiter, kriecht in seinem schwarzen Anzug am versifften
Kneipenboden entlang, schleppt sich mit letzter Kraft auf die Bühne, schüttelt
sein verschwitztes Haar, blinzelt schlaftrunken, spuckt die abgebrannte Kippe
aus dem Mundwinkel und geht dann mit großer Kämpfergeste in die Vollen
(Bitte was???? Anm. AEH). Das Leben ist hart, aber wir halten uns aufrecht.
Und tanzen gemeinsam den Weltuntergangsblues. Humppa, Polka, Teufelsblues, Düsterfolk
- das Kaizers Orchestra zelebriert seine Sehnsucht nach Leidenschaft mit vollem
Körpereinsatz und wird dafür vom Publikum geliebt. Es wird geschwitzt,
getrunken, gestampft, geschunkelt. Wenn die fünf Norweger loslegen (es
sind sechs, mein lieber Rezensent! Anm. AEH), fallen alle Hemmungen, wildfremde
Menschen liegen sich in den Armen. Man kennt das in ähnlicher Form von
Element of Crime, Calexico oder M. Walking On The Water (lang ist's her!). Wenn
man will, kann man auch die Leningrad Cowboys anführen. So weit, so gut.
Macht Spaß. Ihr ursprünglich bereits 2002 veröffentlichtes,
aber erst jetzt hierzulande erhältliches zweites Album "Evig Pint"
macht dies musikalisch gesehen leider trotzdem nicht zu einem überragenden
Album. Den Songs fehlt oft etwas Leichtigkeit, der Esprit, die Überraschung.
Stehbass, Pumporgel und gelegentliches Herumgeschlage auf Metallgegenständen
funktioniert live, wie man sich noch unlängst bei ihrer Deutschlandtournee
2003 versichern konnte, ist aber nicht automatisch der Garant für großes
Songwriting. Der Blues schleppt sich vorwärts, Polka bleibt letztlich bieder
und der Gesamtsound bei aller Schräglage doch sehr berechnend. Nicht jedes
wilde Getröte ist gleich exotisch, nicht jeder verschleppte Rhythmus automatisch
eklektisch. Schade, denn nach genanntem Debüt hatte man sich hier schon
mehr versprochen. Der nächten Kaizers-Party wird dies aber natürlich
keinen Abbruch tun.
(Markus Naegele)
Rezension auf Nordische-Musik.de
Kaizers Orchestra: Evig Pint
(2004, Farmen /PIAS 39110662)
Bis in ihre Seele hat sich das Fegefeuer vorgefressen, das Kaizers Orchestra
schon 2003 zu ihrem Debüt im Polka-Hintern loderte. Verräterisch und peinigend
war es, paarten sich doch in ihren Texten klägliche Angst und ehrenhafter Tod
mit Russisch Roulett und dem elektrischen Gitarren-Flehen nach der Gnade vor
dem Herrn. Wie also soll man es in Worte fassen, dass der Kaizers' Kampf zwischen
Himmel und Hölle auf ihrem zweiten Album noch abgründiger und schwärzer geworden
ist?
Ausweglosigkeit, Mord und Totschlag, Schwermut und Grausen beherrschen erneut
die musikalische Kraft der Norweger. Dabei zeigen dunkle Orgelwände, Bratsche
und Trompete, abtrünniges Glockenspiel und Gesang aus voller Seele, dass die
Kaizers ebenso gut Rockband wie Begräbniskapelle sind. Mit »EVIG PINT« haben
sie jedenfalls das bemerkenswerteste Testament des Polka-Rock für das Jahr 2004
geschrieben.
(Liska Cersowsky)
Rezension auf Gaesteliste.de
Kaizers Orchestra - Evig Pint
Kaizers Orchestra, die Vorsitzenden der norwegischen Außenstelle des Tom Waits-Fanclubs, haben
ein meisterhaftes neues Album draußen, das eigentlich gar nicht mehr so neu ist: In der Heimat
wurde "Evig Pint" schon letztes Jahr veröffentlicht und erlangte dort Platinstatus. Hierzulande
ist die Band davon noch relativ weit entfernt, bewies auf den großen und kleinen Bühnen der Republik
aber schon, was live so alles drin ist. Wenn die Herren in ihren smarten Anzügen auf der Bühne
rumturnen und auf Ölfässer und Autofelgen eindreschen und dazu noch ein ganzes Arsenal an
Rock- und Polka-tauglichen Instrumenten im Hintergrund schrammelt, tutet und kratzt, sind
Begriffe wie "energiereich" oder "extrovertiert" eine schamlose Untertreibung. So retteten
sie letzten Sommer den recht schwach besetzten ersten Tag des Haldern Festivals vor der
Bedeutungslosigkeit, und es wurde noch heißer als es weiß Gott ohnehin schon war. Und das,
obwohl sie die Frechheit besaßen, auf norwegisch zu singen...
"Evig Pint" ist eine atmosphärisch sehr dichte, hervorragend produzierte Platte, die die
Qualität des Vorgängers "Ompa Til Du Dör" übertrifft, aber im Prinzip ähnliche Themen
behandelt: Vergeltung, Vergebung, Alkohol und die ewige Verdammnis ("Evig Pint" eben).
Dabei ist das Werk noch um einiges düsterer als der Erstling, was der Spielfreude und
souveränen Ausgelassenheit aber keinen Abbruch tut. Sowas wie das verflixte zweite Album
scheint es für Kaizers Orchestra also nicht zu geben.
Selbstbewusst spielt statt dessen
die Kombo des Teufels ("Djevelens Orkester") zum Tanz auf, man legt einen furiosen
Rache-Walzer ("Hevnervals") aufs Parkett, und im Ballsaal hallen die Echos der Bad Seeds,
Tom Waits und Calexico wider. Und wenn der Abend zuende ist, setzen sie sich ins Auto,
kurbeln das Fenster runter unter lehnen sich zurück, denn es gibt kein Zurück auf der
Straße in die ewige Polka-Verdammnis.
(Christian Spieß)
Rezension auf Motorhorst.de
Das Ompa nach dem Tod (7 von 10 Punkten)
Auf diese Band war das Land nicht vorbereitet: Als Kaizers Orchestra beim Haldern Open Air
im August 2003 zum ersten Mal in Deutschland auf ein breiteres Publikum losgelassen wurden,
waren Erstaunen und Begeisterung etwa gleich groß. Das Orchestra entwickelte sich zum Live-Geheimtip,
weil jeder sehen wollte, was diese sympathisch durchgeknallten Norweger denn da mit Pumporgel, Ölfässern
und Radkappen so anstellen. Musikjournalisten versuchten verzweifelt, eine Schublade zu zimmern und
zu erklären, warum ganze Busladungen von Indie-Jüngern plötzlich zu Speed Polka abgingen und Texte
mitschmetterten, die sie kaum verstehen dürften.
Nun wird - nur sieben Monate nach dem Debüt "Ompa til du dør" - das Zweitwerk des Sextetts auf den
deutschen Markt geworfen. Und der geneigte Zuhörer erkennt schon bei den ersten Takten: Hier liegt
eine deutliche Weiterentwicklung vor. Zwar könnte niemand so genau sagen, was sich da jetzt groß
verändert hat (Ignoranten würden gar behaupten, das klinge doch eh alles gleich), aber "Evig pint"
("Auf ewig gepeinigt") hört sich durchaus anders an als der Vorgänger "Ompa til du dør"
("Ompa bis Du stirbst"). Auf der einen Seite vielleicht noch etwas verspielter, auf der anderen Seite
aber auch noch düsterer und morbider.
Die Rhythmen scheppern nach wie vor behäbig vor sich hin, die Arrangements sind ausufernder geworden,
die Melodien ausgefeilter und irgendwie eingängiger. End- und Höhepunkt des Albums ist das
achteinhalbminütige Requiem "Drøm hardt" ("Träum schwer"), das sich auf ein Streicherkissen bettet und
im fahlen Schein flackernder Kerzen ausklingt. Auf jedem Begräbnis gibt es bekanntlich mindestens einen
echten Kracher, hier ist es "De ivolverte", das näherungsweise als Grunge gelten dürfte -
Holzfällerhemden gibt es in Norwegen sicherlich genug.
Nun stellt sich natürlich abschließend die Frage, wer sowas hören soll. Sieht man mal vom Skurrilitätsfaktor
ab, handelt es sich bei der Musik von Kaizers Orchestra nicht unbedingt um massenkompatible Ware für den
alltäglichen Gebrauch. Und trotzdem wird sich kaum jemand dem umwerfenden Charme dieser Truppe erwehren
können und irgendwann instinktiv anfangen zu schunkeln.
(Lukas Heinser)
Rezension auf Bizarre-radio.de
Kaizers Orchestra
Evig Pint
Bewertung: 12/15
Ompa Ompa Ompa. Ompa Til Du Dør: Humpa bis du stirbst - so der Titel des Vorgängers
der Truppe aus Norwegen. Etwas Folk-Polka mit Popmusik, Gitarren und allerlei
anderem. Es erinnert ein kleines wenig an verschrobene Volksmusik. Nur eben
irgendwie hörbarer. Vor zwei Jahren begeisterten sie auf dem Haldern-Pop-Festival,
dieses Jahr streben sie größeres an: Für das Rock am Ring-Festival sind sie
schon gebucht, einige Konzerte stehen auch schon fest. Der Fankreis weitet sich.
Und das nicht ohne Grund.
"Evig Pint" bleibt in der Kaizerschen Tradition. Wieso auch ein Konzept ändern, was schon vorher funktioniert
hat? Singen trun sie nach wie vor auf norwegisch, die Instrumente bleiben außergewöhnlich- ebenso wie die
Musik. Nur poppiger sind sie irgendwie geworden. Zutraulicher. Angenehmer. Aber nicht anbiedernder. Das
Album hat von allem etwas: Langsame, sich selbst treibende Tracks mit spärlicher Musikation, aber auch
etwas schnellere Stücke, die dem Prinzip der norwegischen Volksmusik nicht unähnlich sind. Doch das Kaizers
Orchestra wirkt nur als Gesamtkunstwerk. Einmal durchgängig angehört mag man am Ende kaum glauben, dass das
schon alles war. Humpa Humpa Humpa, und schluss.
Gewöhnungs- und vor allem Geschmackssache ist das hier auf jeden Fall. Das gebe ich zu. Wer bereit ist,
sich drauf einzulassen, der wird sicherlich nicht enttäuscht sein. Und wer sie bereits schon einmal live
gesehen hat, dem brauche ich bestimmt nicht zu sagen, was das für ein Fest ist. In diesem Sinne: Humpa sei
mit euch.
12 Punkte von max. 15
(Kathrin Grannemann)